Was Teams vom neuen Weltmeister lernen können

Es ist vollbracht: Jogi hat mit seinen Jungs das „Ding" geholt. Wie war's möglich? Hier eine erste Sammlung von Zutaten für das Erfolgsrezept starker Teams - abgeguckt beim genialen Fußball-Weltmeister 2014. Weitere Ergänzungen sind ausdrücklich erwünscht.

Nutze den Verstand und höre auf Dein Herz

So viel Fußballverstand wie bei Jogis DFB-Team gab's wohl selten. Doch auch das Herz hatten die Deutschen an der richtigen Stelle. Siehe die wunderbaren Gesten nach dem Spiel gegen die geschlagenen Brasilianer oder die Erinnerung an die daheim gebliebenen Marco Reus und die Bender-Brüder - auch und gerade in der Stunde des Sieges.

Verfolge einen Plan und bleibe dabei flexibel

Stets hatte man bei dieser WM das Gefühl, dass der Fußballstratege Jogi Löw einen klaren Plan verfolgt. Vor allem aber haben mich in der K.o.-Runde seine Flexibilität und die des Teams überzeugt. Lahm durfte dann doch noch auf seiner Lieblingsposition seine besondere Klasse zeigen und auch im Finale hat trotz des Ausfalls von Khedira und Kramer alles gepasst.

Jeder ist der Wichtigste

Es war schön zu sehen, wie jeder Einzelne im Team ein Star sein konnte und trotzdem für den anderen durchs Feuer ging. Ich jedenfalls kann dieses Mal sagen: Jeder war der Wichtigste.  Denn es war die vollendete Leistung eines echten Kollektivs starker Einzelspieler.

Gehe achtsam mit Deinen Emotionen um

Zu viel Euphorie kann auch schädlich sein und Herzblut allein macht noch keinen Sieg. Diese WM hat gezeigt: Emotionen sind gut, wenn sie mit Bedacht zum Einsatz kommen. Die Deutschen haben vorgemacht wie's geht: Keine Häme beim Kantersieg über Brasilien, keine Überheblichkeit nach dem Auftakt gegen Portugal und totale Ausgelassenheit erst nach dem absoluten Triumph.

Gib alles und bleibe dabei fair

Erfolg erfordert vollen Einsatz, so wie zum Beispiel von Bastian Schweinsteiger im Finale, wie von Schürrle auf der Außenbahn vor der Flanke zum Siegtor. Dennoch: Auch unter Starkstrom sind unsere Jungs immer fair geblieben. Echte Vorbilder eben, auch in dieser Hinsicht.

Strebe nach Perfektion, aber zeige Charakter und bleibe Mensch

Die WM-Sieg der Deutschen steht auch für absolute Perfektion. Doch das Erfolgsteam hat Ecken und Kanten. Und ist gerade deshalb so verdammt sympathisch und nachahmenswert. Jogi hat darauf verzichtet, nach den Spielen den Kameras sein Lächeln zu schenken. Selbst wenn das vielen nicht gepasst hat. Mertesacker hat mit dem Reporter auch mal Klartext geredet und dadurch viel Lob geerntet.

Bleibe beharrlich und sei fokussiert

Große Projekte brauchen ihre Zeit. Auch Jogi Löw hat mit seinen Mannen seit 2006 an diesem Erfolg hart gearbeitet. Und auch in schwierigen Zeiten Beharrlichkeit und Durchhaltevermögen bewiesen. Weil er immer sein Ziel fest im Blick behalten hat. Zitat Löw: "Wir waren 55 Tage zusammen, haben dieses ganze Projekt aber eigentlich schon vor zehn Jahren gestartet." Wie schön, dass sie nun endlich alle belohnt sind.

Spielfreude gewinnt

Zugegeben, nicht jeder hat die Chance, seinen Broterwerb mit Sport und Spiel zu verdienen. Aber etwas mehr Spielfreude bei der Arbeit tut uns allen gut. Weil's die Sache leichter macht, weil man dabei was lernt, weil man zusammen damit viel weiter kommt. Auch die sozialen Medien waren bei dieser WM Teil des großen Spiels, haben Verbindungen geschaffen und für lang anhaltenden Spaß gesorgt. So viel amüsante Spielerei rund um ein Sportereignis gab's in den sozialen Netzwerken jedenfalls noch nie.

Wir können alles außer Hochdeutsch

Es muss an dieser Stelle einfach auch noch erlaubt sein: Jogi ist halt unser "Südländer", ein badisches Gewächs, von der Sonne verwöhnt. Einer der alles kann, außer Hochdeutsch.

Tags: 

Kommentare

Vielen Dank für die schöne Sammlung

Vielen Dank für die schöne Sammlung von Erfolgszutaten! Charakterstärke, Authentizität (und Bescheidenheit) sind meines Erachtens Schlüsseleigenschaften, die gerade dann zentral sind, wenn man auf der Erfolgsleiter vermeintlich ganz oben angekommen ist. Es gibt immer etwas, das man nicht bedacht oder noch nie gemacht hat und das größer ist als der Einzelne.  Eine tolle Geste von Mesut Özil war übrigens, seinen WM-Gewinn an Bedürftige nach Brasilien zu spenden. Besonders toll ist es dann, wenn so eine Geste aus innerer Überzeugung heraus entsteht und nicht in der stillen Hoffnung, damit die Marketing-Maschinerie günstig zu beeinflussen.